Pyrotechnik ist kein Spielzeug

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de06.06.2014 Kein Feuerwerk mehr in Mürnsee

„Ob genehmigt oder nicht - immer wieder finden Leute einen Grund ein Feuerwerk abzubrennen“, klagt Marianne März. Der jüngste Fall hat bei der Landwirtin aus Mürnsee das Fass zum Überlaufen gebracht. In ihrer Nachbarschaft flogen in der Nacht auf den 31. Mai kurz nach Mitternacht die Raketen und krachten die Böller. Die Folge: Unter einer Rinderherde ihres Nachbarn brach Panik aus. „Die Tiere durchbrachen die Umzäunung und überrannten mehrere Zäune von angrenzenden Weiden.“ Sie flohen über Wiesen und Straßen, berichtet März. „Man kann von Glück reden, dass die Tiere keinen Unfall verursacht haben: Nicht auszudenken, was passieren hätte können, wenn sie auf die Bundesstraße 11 gelaufen wären.“ Die Landwirtin hat mitgeholfen, die Jungkühe wieder einzufangen. „Man kann nur hoffen, dass keines der zum Teil trächtigen Tiere Schaden genommen hat“, sagt März.

Wie die Frau aus Mürnsee inzwischen erfahren hat, waren dem Veranstalter des Feuerwerks die Auswirkungen sichtlich unangenehm. „Und er war um Schadensregulierung bemüht.“

Die Gemeinde hat von einer Anzeige bislang abgesehen, sagt Rathaus-Geschäftsleiter Andreas Mascher auf Anfrage. Der Grund: Die Anlieger sind nicht im Rathaus vorstellig geworden. Besagtes Feuerwerk sollte ursprünglich im Adelheidpark abgebrannt werden, weil die Hochzeitsgesellschaft in der dortigen Park-Villa feierte. „Das hat die Gemeinde aber nicht genehmigt“, sagt Mascher. Nicht nur, weil das mitten im Ort ist: „In Heilbrunn sind Feuerwerke grundsätzlich verboten.“ In früheren Jahren seien zwar beizeiten Ausnahmegenehmigungen erteilt worden. Jetzt sei man strikt gegen den Raketenzauber. Die letzten Genehmigungen habe das Rathaus ausgesprochen, als im Gasthof Reindlschmiede in Mürnsee ein Fortbildungslehrgang für Pyrotechniker stattgefunden habe. „Die haben damals praktische Übungen in einer nahegelegenen Kiesgrube durchgeführt.“ Seitdem sind Feuerwerke generell untersagt - außer an Silvester.

Marianne März hat inzwischen auch vom Neujahranschießen die Nase voll. An den ersten Januartagen habe sie eimerweise die Hinterlassenschaften der Böllerei auf den Wiesen zusammengeklaubt. Und: „Wenn man sieht, wie die Haustiere reagieren, dann kann man sich leicht ausmalen, dass bei dem nächtlichen Krach auch das Wild aus dem Häuschen ist.“ Während einem der vielen Feuerwerke in Mürnsee hat Marianne März die Jungtiere auf dem eigenen Hof beobachtet: „Ich hätte selbst nicht gedacht, dass sie so dramatisch reagieren.“

Die Rinderherde, die am vergangenen Wochenende in Mürnsee Reißaus genommen hat, war drei Tage völlig verstört und wagte sich kaum aufs freie Feld. „Die haben immer Schutz bei einer Unterstandhütte gesucht“, sagt März. Den Menschen ergehe es nicht anders. „Wenn man stundenlang nach verschreckten Kälbern gesucht hat, dann ist es mit der Nachtruhe vorbei.“ Und zwangsläufig würden durch die Unruhe am Hof auch die Kinder aus dem Schlaf gerissen. Marianne März kann die Kracherei gestohlen bleiben.


ao
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