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de07.06.2014 Pyrotechniker muss Geldbuße zahlen

RECKLINGHAUSEN. Nach einem folgenschweren Funkenregen beim Eröffnungsfeuerwerk zur Palmkirmes 2013 muss der verantwortliche Feuerwerker (52) aus Berlin 1200 Euro Geldbuße bezahlen. Das ergab ein Prozess am Amtsgericht.

Beim traditionellen Feuerwerk gegen 22 Uhr war über Teilen des Rummelplatzes ein glühender Funkenregen niedergegangen. Am Himmel ein Spektakel, am Boden ein Debakel: Reihenweise fraßen sich Brandlöcher in die Dächer von Fahrgeschäften. Schaden: rund 30000 Euro.

Abrennplatz eigenmächtig gewechselt

Als Auslöser für die Löcher in den Planen von Auto-Scooter, Achterbahn & Co. entpuppte sich eine fatale Abstands-Panne. Die Berliner Pyrofirma, die von der Stadt damals den Zuschlag für das Eröffnungsfeuerwerk erhalten hatte, hatte den genehmigten Abbrennplatz kurzerhand noch eigenmächtig gewechselt. Und ihre Feuerwerksbomben nur 60 Meter entfernt vom ersten Karussell abgefeuert. Laut Anklage wäre aber mindestens ein Schutzabstand von 152 Metern nötig gewesen.

„Der Platzwechsel ist natürlich im Nachhinein ein Fehler gewesen“, gab der Feuerwerker zu. Einziges Motiv sei gewesen, dem Publikum einen noch schöneren Blick auf das Himmels-Spektakel zu bieten. Nach eigener Überzeugung habe er selbst mit 60 Metern den Abstand eingehalten, weil er die Bomben teils „nach hinten abgewinkelt“ abgefeuert habe. Erklärung für die auf dem Kirmesplatz gefundenen – fingerlangen bis handtellergroßen – Sprengbrocken, könnten auch Materialfehler gewesen sein. Die breite Streuung des Funkenregens könnte womöglich auch an unvorhersehbaren Fallwinden gelegen haben.

Versicherung begleicht Schäden

Das Amtsgericht stufte die Vorverlegung des Abschuss-Ortes zwar als „grob fahrlässig“ ein. Verurteilt wurde der Sprengmeister aber nicht. Das Strafverfahren (Sachbeschädigung und Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz) wurde gegen Zahlung einer 1200-Euro-Geldbuße eingestellt. Eines der Hauptargumente: Alle Sachschäden sind von der Versicherung der Berliner Firma beglichen worden.

Die Verfahrenseinstellung lässt den im Prozess sichtlich geknickt wirkenden Feuerwerker auf eine Verlängerung seiner existenziellen Spreng-Erlaubnis hoffen – bislang hat ihm die zuständige Bezirksregierung diese verweigert.


Werner von Braunschweig
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