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de19.07.2014 Zu viele Feuerwerke in Johannisberg: Bürgerinitiative protestiert gegen „unerträgliche“ Lärmbelästigung

In Johannisberg hat sich eine Bürgerinitiative gegründet, die es nicht mehr hinnehmen will, dass insbesondere in den Sommermonaten fast an jedem Wochenende ein Feuerwerk über dem Dorf des Weines und der Rosen abgeschossen wird.

Die Lärmbelästigung sei „unerträglich“ geworden, sagt BI-Sprecher Professor Lutz Johanning. Seit Ende Mai seien es bereits sieben Feuerwerke gewesen, zwei weitere sollen an diesem Wochenende folgen. An diesem Samstag sei deshalb eine Protestaktion in den Weinbergen geplant. Außerdem sammelt die BI Unterschriften.

Bei Hochzeiten beliebt

Das Thema ist in der öffentlichen Diskussion, seit auf der Burg Schwarzenstein immer mehr Feste, insbesondere Hochzeiten, gefeiert und von Feuerwerk begleitet werden. Dieses wird in den Weinbergen des Mumm’schen Weinguts gestartet. Sowohl das Rathaus als auch die städtischen Gremien waren schon damit befasst, aber bisher sah die Stadtverwaltung keine Möglichkeit, etwas gegen die Vielzahl der nächtlichen Spektakel zu unternehmen.

Wenn ein Feuerwerk privat angemeldet wird, kann es die Stadt verbieten. Aber sobald ein gewerblicher Pyrotechniker die Aktion beim Ordnungsamt anmeldet, ist keine Genehmigung mehr erforderlich. Diese Gesetzeslücke, so die BI, müsse unbedingt geschlossen werden.

"Vernünftiges Maß"

Es gehe um „ein vernünftiges Maß“, sagt Johanning. Johannisberg sei ein wunderschönes Weindorf, zu dem Schloss Johannisberg und Burg Schwarzenstein mit ihren Veranstaltungen gehören. Niemand wolle das jährliche Feuerwerk des Rheingau Musik Festival infrage stellen, gegen eine „kleine Anzahl“ von Feuerwerken sei nichts einzuwenden. Wenn Feuerwerke sogar sonntags spätabends noch gestartet werden, dann sei dies eine beträchtliche Störung der Nachtruhe. Die Kinder, die morgens zur Schule müssen, seien besonders belastet.

Als weiteres Problem führt die BI die mögliche Schadstoffbelastung durch Feinstaub und Schwermetall ins Feld. Sie fordert Schadstoff- und Lärmmessungen durch den Veranstalter und die Einhaltung der gesetzlichen Grenzwerte. Eine weitere Forderung: Die Feuerwerke sollen vor 22 Uhr stattfinden.

Die Stadtverwaltung hat bisher nur die Möglichkeit gesehen, eine Gefahrenabwehrverordnung zu erlassen, die dann aber alle Feuerwerke, auch das vom RMF, hätte ausschließen müssen. Nun soll es aber die Möglichkeit geben, so die Information des Hessischen Städte- und Gemeindebunds, Ausnahmen bei großen kulturellen Veranstaltungen festzulegen. Der Magistrat werde sich mit dem Thema befassen, so Bürgermeister Frank Kilian.

Künftig kleinere Kaliber

Inzwischen hat Michael Teigelkamp, Geschäftsführer des Relais&Châteaux Hotel Burg Schwarzenstein, nach Absprache mit Christian Witte, Chef auf Schloss Johannisberg und des Weinguts GH von Mumm, sowie mit der Feuerwerk-Fachfirma Hübner der Stadt folgenden Vorschlag unterbreitet: Um „nachbarschaftsverträgliche“ Feuerwerke zu veranstalten, soll der Abschuss des Feuerwerks bis 22.30 Uhr in den Monaten Juni und Juli und in den anderen Monaten bis 22 Uhr stattfinden. Die „Stärke der Kaliber“ werde auf das Niveau eines privaten Feuerwerks reduziert, wie es zum Beispiel an Silvester bei Feuerwerken vor dem Restaurant üblich sei. Der Abschusspunkt werde auf 200 Meter Abstand zum Ortsrand erweitert. Im kommenden Jahr soll die Anzahl der Feuerwerke auf insgesamt 15 begrenzt werden. Um eine fachgerechte Kontrolle zu gewährleisten, so heißt es weiter, soll nur die Firma Hübner beauftragt werden.


Bernd Minges
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