Pyrotechnik ist kein Spielzeug

Stille Nacht

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de18.03.2015 Ein Jahr und zwei Monate Haft für den Zünder der Rauchbombe im Schweinfurter Icedome

SONTHOFEN / SCHWEINFURT – Der Prozess um eine Rauchbombe im Schweinfurter Icedome, gezündet vor rund drei Jahren von einem Anhänger der Sonthofener Bulls, bei der sich die Mighty Dogs-Ordnerin Tanja Kriegelstein aus Hünfeld in Hessen schwer an der Lunge verletzte, fand am Montag im Allgäu seine Fortsetzung.

Der zur Tatzeit knapp über 20 Jahre alte Angeklagte Y.F. gab diesmal zu den Rauchtopf gezündet zu haben. In den ersten Verhandlungen dementierte er das noch. Letztlich fanden Ermittler aber über Spuren in seinem Handy heraus, dass er dort mit Nachrichten über seine “Tat” prahlte. Diesmal erwähnte er im Gericht weitere Personen, die ebenfalls Pyrotechnik abgefackelt haben sollen. Und er erwähnte eine Begleiterin, die das “Werkzeug” für ihn in das Stadion schmuggelte. Finanziert haben soll diese Pyrotechnik der mittlerweile aufgelöste Fanclub “412er”, der von einem hauptberuflichen Polizisten (!) geleitet wurde. Der Einatz der Pyrotechnik im Schweinfurter Icedome sei von langer Hand geplant gewesen, gab der Angeklagte zu.

Der Verteidiger des Angeklagten gab der Hauptgeschädigten Tanja Kriegelstein mehr oder weniger eine Mitschuld an ihren Verletzungen, weil sie freiwillig den Brandherd beseitigte. Das natürlich, um andere Menschen davor zu schützen. Er soll auch die enormen Spätfolgen bezweifelt haben.

Für den Staatsanwalt spielte das planvolle Nachtatverhalten und das Anstiften zur Falschaussage eine große Rolle. Er beantragte ein Jahr und vier Monate Haft, gar ein Jahr und acht Monate als Gesamtstrafe, weil Y.F. ja schon beim Prozess zuvor wegen der Falschaussage zu einer Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Weiterhin beantragte er eine Geldstrafe in Höhe von 4000 Euro.

Für den Verteidiger war es keine gefährliche, sondern nur eine fahrlässige Körperverletzung ohne Verletzungsvorsatz. Eine Verwarnung in Verbindung mit einer Geldstrafe hielt er für ausreichend. Der Angeklagte, der über Jahre nicht zu seiner Tat gestanden hatte, betonte urplötzlich sein Bedauern.

Das Schöffengericht fand folgendes Urteil: Ein Jahr und zwei Monate Haft auf Bewährung als Gesamtstrafe für die Körperverletzung und die Anstiftung zur Falschaussage. Auf weitere Geldauflagen wurde verzichtet, weil auf den Angeklagten jetzt noch die Schadenersatzansprüche aus dem anstehenden Zivilprozess zukommen. Zudem werden sich auch die Krankenkassen und die Berufsgenossenschaft nun an Y.F. wenden.

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