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de29.01.2011 Schule klärt auf: Gefährliche Spiele mit Böllern

Zuerst ist es nur ein lauter Knall, dann kommt die Taubheit - das schlimmste aber ist das anschließende Piepen im Ohr. Für viele Jugendliche ist das Böllern nach Silvester ein lustiger Zeitvertreib - allerdings ein sehr gefährlicher: Zwei Mädchen der Verbundschule verletzt / Lehrerin hat erste Verdächtige ermittelt

"Eigentlich ist mit der Böllerei zwei, drei Tage nach Silvester Schluss, aber in diesem Jahr scheinen sich einige Schüler regelrecht mit Munition eingedeckt zu haben", sagt eine besorgte Hanna Seeliger, Lehrerin an der Verbundschule Hille. Dort hat das unerlaubte Spiel mit Böllern auf dem Schulhof und sogar im Gebäude eine traurige Bilanz hinterlassen: Zwei Mädchen sind leicht verletzt, bei einer haben die Böller sogar ein Knalltrauma ausgelöst.

"Das ist kein Spiel mehr", ärgert sich Hanna Seeliger und hat in den vergangenen Tagen alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die Schuldigen zu finden. 15 Beteiligte habe sie bereits ermittelt, die Eltern über den Sachverhalt informiert. "Viele Schüler reden sich natürlich raus oder versuchen die eigene Schuld zu relativieren", erklärt die Lehrkraft. Sie habe allerdings auch die Erfahrung gemacht, dass einige Schüler so erschrocken über den Vorfall waren, dass sie freiwillig das Gespräch gesucht hätten.

Erschrocken war auch die Mutter einer Siebtklässlerin, die namentlich nicht genannt werden möchte. Ihrer Tochter sei am vergangenen Dienstag ein Böller vor die Füße geflogen und explodiert. Die Folge ist ein Knalltrauma mit Durchblutungs- und Gleichgewichtsstörungen, verbunden mit einem lauten Piepen im Ohr.

"Die Einweisung ins Krankenhaus haben wir noch zu Hause liegen. Zum Glück haben wir sie nicht gebraucht", schildert die besorgte Mutter und erklärt: "Meiner Tochter geht es zum Glück schon wieder besser. Sie muss in der nächsten Zeit allerdings noch einmal zum Hörtest." Von der Schule fühle sie sich sehr gut unterstützt, so die Betroffene weiter. "Die Lehrer sind wirklich um eine lückenlose Aufklärung bemüht." Sollte die Befragung erfolgreich sein, würde sie auf jeden Fall Anzeige bei der Polizei erstatten.

Erst wenn man weiß, welcher Böller einen Unfall ausgelöst hat, handele es sich um eine strafrechtliche Angelegenheit, die dann auch der Polizei übergeben werden müsste, bestätigt auch Hanna Seeliger. "Aber nichtsdestotrotz wird diese Aktion Sanktionen nach sich führen", so die engagierte Lehrerin.

Kommissar zeigt rechtliche Schritte

Statt eine Klassenkonferenz einzuberufen, hat sie Schüler der Klassen 8 bis 10 und deren Eltern für den 3. Februar zu einem Gespräch in die Schule gebeten. Dort wird eine betroffene Mutter ihre Sicht der Dinge darlegen, es werden die medizinischen Konsequenzen aufgezeigt und Polizeihauptkommissar Günter Ossenfort wird mögliche rechtliche Schritte erläutern. "Die Klassen 5 bis 7 waren bereits in dieser Woche dran", ergänzt Hanna Seeliger. Zudem müsse jeder Schüler ein Lernplakat erstellen und den Mitschülern vorstellen.

Sie appelliert besonders an die Eltern, denn einige Schüler haben behauptet, die Eltern hätten sie dazu animiert, die Böller mit in die Schule zu nehmen. Hanna Seeliger: "Die Eltern sollen mit ihren Kindern sprechen und für Aufklärung sorgen."


Stefanie Bollmeier, Mindener Tagesblatt
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