Pyrotechnik ist kein Spielzeug

Stille Nacht

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de22.02.2017 Ruhe statt Böller

An der Isar soll es keine Silvesterknallerei mehr geben. Lokalpolitiker wollen eine raketenfreie Schutzzone durchsetzen.

Das vergangene Silvester könnte das letzte gewesen sein, an dem an der Isar nach Lust und Laune Feuerwerk verballert werden konnte. Der Bezirksausschuss (BA) Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt hat mit einer Stimme Mehrheit beschlossen, dass die Isar und ihr Hochbett künftig vor dem Abschuss von Raketen, Böllern und Böllerbatterien geschützt werden sollen - ebenso die Brücken und die anliegenden Straßen. Damit ist die Isar noch längst nicht böllerfreie Zone, doch nun ist auch der Stadtrat gezwungen, sich in die Diskussion um Sinn und Unsinn von geräuschintensivem Feuerwerk in sensiblen Bereichen einzumischen.

Die Mehrheit im Plenum für die Schutzzone war denkbar knapp: Nur weil Christiane Lehmann (SPD) sich der Meinung ihrer Fraktion nicht anschloss, konnte sich der Antrag der Fraktion Grüne/Rosa Liste durchsetzen. Der Verwaltungsaufwand sei doch viel zu hoch, hieß es seitens SPD und CSU. Und wie solle denn so ein Verbot durchsetzbar sein, falls der Großteil der Polizeikräfte eventuell bei einem großen zentralen Feuerwerk konzentriert sei? Die Grünen betonten dagegen, dass bereits jetzt der städtische Aufwand hoch sei und jährlich höher werde: Verglichen mit Silvester 2015 sei die Müllmenge 2016 um zehn Tonnen gewachsen. Zumindest bei der Reinigung erwarten Grüne und Rosa Liste eine Kostenersparnis. "Man sollte einfach mal anfangen", forderte Hubert Ströhle (Grüne).

Natürlich meldeten sich auch die begeisterten Abbrenner. "Das macht mir und meinem Freundeskreis an Silvester einfach private Freude", sagte Franz Bruckmair (SPD). Doch dieses Argument zündete nicht, zeigte nur auf, dass manche zündeln, andere nicht. Andreas Klose (Rosa Liste) wies darauf hin, dass sich nur 23 Prozent der Münchner Silvesterknaller zulegen. "Die Mehrheit kauft kein Feuerwerk."

Die Isar sei nicht nur Naherholungsgebiet für die Münchner, sie sei auch Rückzugsort für Tiere und stehe unter besonderem Schutz, argumentieren die Grünen/Rosa Liste. Sie werde durch den Silvesterlärm und -müll besonders geschädigt und sei oft monatelang danach noch sichtbar verdreckt. Es gebe in München kaum Beschränkungen, mit Ausnahme von Bereichen etwa um Kliniken. Feuerwerksfreie Zonen seien überfällig, zumal sie auch für Menschen Sicherheit böten.

Beate Bidjanbeg (SPD) wollte dagegen auf Freiwilligkeit setzen. Ein Verbot fördere keinen Meinungswandel, sagte sie, sondern Widerspruch. "Damit erreichen wir eher das Gegenteil." BA-Vorsitzender Alexander Miklosy (Rosa Liste) erinnerte daran, dass Aktionen wie "Brot statt Böller" auch nicht den gewünschten Erfolg gebracht hätten. "Aufforderungen zur Vernunft sind eigentlich wirkungslos." Er sehe den Antrag als Diskussionsgrundlage für den Umgang der Stadt mit der Problematik.

Die Diskussion um ein Böllerverbot, die vor einem Monat in der Isarvorstadt ins Rollen kam, hat inzwischen auch einige Stadträte sensibilisiert. Die Ausschussgemeinschaft ÖDP und Linke hat in der vergangenen Woche einen Antrag eingebracht, der ein Verbot von Feuerwerk von Privatpersonen innerhalb des Mittleren Rings fordert. Außerdem soll die Stadt künftig zu Silvester mindestens ein zentrales Großfeuerwerk ausrichten - finanziert durch die eingesparten Reinigungskosten. Auch in anderen deutschen Städten gebe es bereits weitreichende Verbote. In München bestehe zudem die Möglichkeit, Regelungen in den Luftreinhalteplan aufzunehmen. Vergangenes Silvester waren die Feinstaubwerte in München teilweise extrem überschritten worden.

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