Pyrotechnik ist kein Spielzeug

Stille Nacht

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de30.07.2017 Den Schriesheimern wird es zu bunt

Schriesheim. Am heutigen Samstagabend um 22 Uhr starten wieder die Raketen: In den Weinbergen unterhalb der Strahlenburg wird das nächste professionelle Feuerwerk abgebrannt. Was bei Hochzeiten und Geburtstagen häufig ein Höhepunkt ist, empfinden viele Anwohner inzwischen als störend. Die Stadtverwaltung prüft, ob die Anzahl der Feuerwerke mit einer neuen Polizeiverordnung eingeschränkt werden kann. Auch Gastronomen sehen das bunte Spektakel kritisch.

"In diesem Jahr gibt es auffallend häufig Feuerwerke", sagt Dominik Morast vom Ordnungsamt, "wir bekommen zunehmend Beschwerden von Anwohnern." Gerade für junge Familien seien die späten Explosionen am Himmel ein Problem: "Da stehen die Kinder senkrecht im Bett." Auch Angestellte im Schichtbetrieb würden über Schlafmangel klagen. Eine Anwohnerin in der Talstraße merkt zudem an, dass die Explosionen durch den Hall verstärkt würden.

Die Stadt muss diese Feuerwerke aber nicht genehmigen: Sobald ein professioneller Pyrotechniker gebucht ist, muss dieser die Verwaltung nur über Zeitpunkt und Ort des Feuerwerks informieren. "Bei Privatpersonen sind Feuerwerke dagegen nur an Silvester erlaubt", so Morast, "und da machen wir auch keine Ausnahme." Auch in der Altstadt ist das Böllern verboten, in den Weinbergen ist zu den Fachwerkhäusern jedoch ein ausreichender Abstand gewahrt.

Die Freiwillige Feuerwehr muss nicht zwingend zum Brandschutz eingesetzt werden, wenn zum Beispiel die Eheschließung mit Raketen gefeiert werden soll. "Der Pyrotechniker ist für den Brandschutz zuständig", sagt Kommandant Oliver Scherer: "Wenn am Ende der Hang brennt, ist es seine Verantwortung." Viele Dienstleister wollten sich trotzdem die Einsatzkosten von mehr als zehn Euro pro Stunde für bis zu neun Feuerwehrleute sparen und kümmerten sich selbst um die Sicherheit. "Meine persönliche Meinung ist aber, dass die Feuerwehr auch in diesen Fällen erforderlich wäre", so Scherer. Immerhin werde häufig Pyrotechnik der "Klasse IV" eingesetzt, was die Verwendung von viel Schwarzpulver bedeutet. Auch beim Mathaisemarktfeuerwerk kommen diese Raketen und Batterien zum Einsatz.

"Die einzige Handhabe der Stadt gibt es bei erhöhter Waldbrandgefahr", sagt Scherer, was Dominik Morast vom Ordnungsamt bestätigt: "Dann können wir eine Brandwache der Feuerwehr zur Auflage machen." Bisher sei das jedoch nicht nötig gewesen. "Wir melden uns dann beim Pyrotechniker und klären das direkt ab", so Morast: "Das funktioniert normalerweise recht gut."

Um die Zahl der Feuerwerke pro Jahr zu reduzieren, prüft die Stadt aber jetzt, ob eine entsprechende Polizeiverordnung rechtmäßig wäre. Das größte Problem dabei: Eine solche Satzung schränkt die Berufsfreiheit von Pyrotechnikern erheblich ein, diese wiederum ist durch Artikel 12 im Grundgesetz besonders geschützt. "Wir klären das in Absprache mit dem Kommunalrechtsamt und dem Kreisordnungsamt", sagt Morast.

Eine neue Satzung wäre aber frühestens für den kommenden Sommer zu erwarten. Bis dahin gelten nur zeitliche Begrenzungen: In den Sommermonaten darf bis 23 Uhr Feuerwerk gezündet werden, in den Wintermonaten bis 22 Uhr.

Ginge es nach Ludger Evers, Pächter des Burg-Gasthofs Strahlenburg, würden auch die Hochzeitsgesellschaften, die bei ihm feiern, keine Feuerwerke abbrennen: "Wir weisen unsere Gäste darauf hin, dass bei uns im nächsten Jahr kein Feuerwerk mehr erwünscht ist."

Die Strahlenburg sei eigentlich ein ruhiger Veranstaltungsort, und die Flora und Fauna der Weinberge liege ihm am Herzen. "Aber ich habe keinen Einfluss darauf", sagt Evers, "zum Teil erfahre ich erst am Abend selbst, dass ein Feuerwerk geplant ist."


Frederick Mersi
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