Pyrotechnik ist kein Spielzeug

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de22.11.2017 Delmenhorst verbietet "Vorschießen". Pyrotechniker geht vor Gericht

Delmenhorst. Die Stadt Delmenhorst hat zwei Veranstaltern das sogenannte Vorschießen von Feuerwerk für das erste Adventswochenende untersagt. Einer geht vor Gericht dagegen an.

Zwei Pyrotechniker haben der Stadt in diesem Jahr jeweils ein sogenanntes Vorschießen von Feuerwerk für das erste Dezember-Wochenende angezeigt – und in beiden Fällen haben die Behörden gleich reagiert: mit einem Verbot.

Stadt sieht „Lärm, Gift- und Geruchsbelästigung“

In einer Stellungnahme der Verwaltung heißt es: „Die Stadt vertritt die Auffassung, dass den Bürgern – insbesondere in der Adventszeit – ein solcher Lärm sowie die Gift- und Geruchsbelästigungen nicht zugemutet werden können“. Die überwiegende Öffentlichkeit lehne solche Feuerwerke ab, dem gegenüber stehe „nur das wirtschaftliche Interesse der Feuerwerksanbieter am Verkauf ihrer Produkte“. Letzteres sei bei der Interessenabwägung unterlegen.

Vorschießen 2016 von Polizei gestoppt

In Delmenhorst war das Vorschießen in den beiden zurückliegenden Jahren von Christoph Pawlowski vom Postenhandel Nord initiiert worden, beide Male auf einem Firmengrundstück am Hamburger Weg. Im Dezember 2016 wurde es von der Polizei beendet, nachdem 1000 Besucher die Wohnstraße bevölkerten und die Anwohner über Lärm und ein Verkehrschaos geklagt hatten. Inzwischen hat Pawlowski seinen Sonderpostenverkauf in das Jute-Center verlegt und wollte am kommenden Samstag, 2. Dezember, erneut ein Vorschießen ausrichten, diesmal vom Dach des Jute-Parkdecks. Vom Verbot ist er enttäuscht, will aber nicht dagegen angehen und möglicherweise im Umland einen neuen Versuch unternehmen.

Thorsten Runge will nicht klein beigeben

Anders Thorsten Runge. Er hat im vergangenen Jahr erstmals an der Annenheider Straße Feuerwerkskörper verkauft und möchte diesmal am Sonntag, 3. Dezember, mit einem Vorschießen auf der Wiese hinter dem Mazda-Autohaus Engelbart noch eine Schippe drauflegen. Was er jetzt nicht darf. Doch Runge will nicht klein beigeben. Nach eigenen Worten hat er inzwischen beim Verwaltungsgericht Oldenburg eine Klage gegen die Stadt Delmenhorst eingereicht und sich dabei eines Rechtsanwalts aus Salmtal bedient, der sich schon lange mit Fragen zum Umgang mit explosiven Stoffen auseinandersetzt.
Runge ist zuversichtlich, dass ihm das geplante Großfeuerwerk über das angestrengte Eilverfahren doch noch ermöglicht wird. Er argumentiert unter anderem mit Willkür und einem Verstoß gegen die Berufsfreiheit. „In Bremen richte ich jetzt am Samstag ein Vorschießen am Weserpark aus – ohne Probleme“, so der Pyrotechniker, der sich ein wegweisendes Gerichtsurteil erhofft.

„Einer gewissen Tendenz Einhalt gebieten“

Die Stadt dagegen will bei ihrer Linie bleiben. „Es ist zu berücksichtigen, dass im vergangenen Jahr ein ‚Vorschießen‘ lediglich von einem Feuerwerksanbieter angemeldet wurde“, heißt es aus dem Fachdienst Veterinär- und Ordnungswesen. „Dieses Jahr sind es bereits zwei und dies auch noch an zwei aufeinanderfolgenden Tagen. Um hier einer gewissen Tendenz Einhalt zu gebieten und keine unerwünschte Praxis zu schaffen“, seien die Feuerwerke abgelehnt worden.


Thomas Breuer
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