Pyrotechnik ist kein Spielzeug

Stille Nacht

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de07.07.2018 Tegernsee will lieber anders feiern

Kreuth als künftiges Bergsteigerdorf, das auf den sanften Tourismus setzt, will es mit einem Aufruf an die Bürger vormachen, auf die Silvester-Knallerei zu verzichten. Rottach-Egern hat es schon beim Winterseefest. Nun setzt auch Tegernsee auf mehr Einsicht.

Feuerwerk. Die laute Knallerei, das Farbenspektakel hochsteigender Raketen, überdeckt bei Manchem das schlechte Gewissen der Böllerei mit Blick auf die Vogelwelt. Doch wem ist schon klar, dass er selber einer höheren Feinstaubbelastung ausgesetzt ist? Deshalb ist nicht nur die Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT) aktiv, die seit Jahren gegen die privaten Feuerwerke kämpft und die Initiative „Stoppt Feuerwerke“ ins Leben rief.

Unterstützung bekam Angela Brogsitter-Finck als Vorsitzende der SGT nun auch auf kommunaler Ebene, von Martina Niggl-Fisser (BürgerListe) im Tegernseer Stadtrat. Sie regte bei eigenen Veranstaltungen der Stadt leise Feuerwerke an. Dass dies gehe, habe jüngst Rottach-Egern vorgemacht. Deshalb solle das explosive Thema auf den Tisch kommender Tal-Bürgermeisterrunden. Tegernsees Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) hat dagegen Zweifel an leisen Feuerwerken, und fragt „ob das überhaupt geht“. Prüfen lassen will Hagn das ganze trotzdem.

Feuerwerke, Luftballons und Konfettikanonen

Laut Geschäftsleiter Hans Staudacher hat es in diesem Jahr noch keine Anfrage für ein privates Feuerwerk gegeben. Man habe auch schon mit Pyrotechnikern über leise Feuerwerke gesprochen, das nun erstmals auch beim Seefest eingesetzt werde. „Das ist schon am Laufen“, so Staudacher. Aber es gebe eben auch Leute, die es gerne krachen lassen.

„Dies erfordert eben ein Umdenken“, davon ist Niggl-Fisser überzeugt. Offenbar hat dies schon eingesetzt, denn Hagn kann „seit vielen Jahren eine Verbesserung feststellen“. Doch ein Fachmann zeigt sich angesichts der geforderten Alternativen zu herkömmlichen Knallerei skeptisch. „Den Lärm bringt man nicht ganz raus“, sagte kürzlich Peter Sauer, der in Augsburg eine Kunstfeuerwerk-Fabrik betreibt.

Hagn wollte bei dieser Gelegenheit am Dienstagabend im Ratssaal auch einen Blick auf die gut 360 Hochzeiten im Jahr lenken, denn dort will die Stadt die Leute „etwas erziehen oder zumindest bitten“, auch keine Luftballons hochzujagen. Denn bei 360 Hochzeiten mit je zehn Luftballons komme ganz schön „was runter“.

Man habe aber auch „immer noch Feiernde, die Kanonen mit Plastik-Konfetti verwenden. Das landet dann alles im See“. Inzwischen sei die Stadt dazu übergegangen, den Leuten die Rechnung für das Saubermachen zu schicken. Denn der Bauhof müsse „das Zeug wieder aus dem See fischen“. Feuerwerke seien nur eines der Probleme, die man als Stadt habe. „Aber wir sind dran“.

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