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ch28.09.2018 Thurgauer wollte Silvester-Feuerwerk mit zwei Gläsern Sekt löschen

Das Bezirksgericht Arbon verurteilt einen 31-Jährigen zu 500 Franken Busse. Er hat an Silvester ein Feuerwerk von einem Telefonmasten aus gezündet. Elf Stunden später brach der Glimmbrand aus.

Ganz geheuer war ihm die Sache nicht. Das Feuerwerk, ein Sonnenrad, zündete nicht wie es sollte. Es sei nur kreisförmig abgebrannt, sagte der 31-jährige Thurgauer vor dem Bezirksgericht Arbon. Es war die Silvesternacht 2016 und er leerte zwei Gläser Sekt über «die Sonne», sein Bruder goss ein Glas Wasser nach. Damit sei es getan, dachten sie.

Ein fataler Irrtum, am nächsten Tag gegen Mittag fing der Glimmbrand an zu qualmen, das Feuer knickte den Telefonmasten und griff auf die Hundezwinger des Nachbarn über. Zwinger, Sitzplatz und ein Teil der Garage wurden zerstört. Zum Glück sei die Feuerwehr so schnell gewesen, sagt die Nachbarin: «Unser Haus ist ein Holzhaus.»

Verhältnis zu den Nachbarn ist
jetzt noch schlechter

Die Nachbarin und ihr Mann sind ebenfalls vor Gericht erschienen. Die Frau ist couragiert. Weil der Anwalt nicht erschienen ist, ergreift sie im Gerichtssaal spontan das Wort. Eigentlich ist das Paar gekommen, um zu hören, was der Beschuldigte den Richtern erzählt. Er habe sich bis heute nicht entschuldigt, kritisiert die Frau: «Das kreide ich ihm am meisten an.» Das beste Verhältnis hatten die Nachbarn schon vor dem Brand nicht, jetzt ist es noch schlechter geworden.

«Haben Sie wirklich Sekt über den Feuerwerkskörper geleert?», fragt die Vorsitzende Richterin Silke Sutter Heer etwas ungläubig. «Wir dachten, wenn es nass ist, kann nichts mehr passieren», antwortet der Beschuldigte. Er verfolgt die Verhandlung mit versteinerter Miene. Mit Feuerwerk hat er nicht viel Erfahrung. Sechs Jahre lang habe er keines mehr gezündet, sagt er, bis zum verhängnisvollen Silvester. Jetzt ist er angeklagt, der fahrlässigen Verursachung einer Feuersbrunst und der fahrlässigen Störung von Betrieben, die der Allgemeinheit dienen. Wegen des abgebrannten Mastens waren die Telefonverbindungen für etwa einen Tag unterbrochen.

Eine bedingte Geldstrafe und 350 Franken Busse fordert der Staatsanwalt. Der Verteidiger des Beschuldigten beantragt einen Freispruch. Es gebe «erhebliche Zweifel», dass die Sonne den Brand verursacht habe. Er verweist auf die Brandspuren am Masten. Die seien auf einer Höhe von 30 bis 40 Zentimetern am stärksten. Das Feuerwerk sei aber auf etwa 1,80 Metern Höhe befestigt gewesen.

In dieser Nacht seien rundum Raketen abgefeuert worden. Es könne durchaus ein anderer Funke in den Masten eingedrungen sein, erklärt der Verteidiger. Der Brandermittlungsdienst habe sich früh auf das Sonnenrad als Ursache festgelegt. Andere Auslöser des Brandes seien nicht berücksichtigt worden. Sein Mandant sei auch kein Feuerwehrmann, er habe den Glimmbrand nicht voraussehen können. Er habe geglaubt, weil er das Sonnenrad anfassen konnte, es also nicht mehr heiss war, sei die Gefahr gebannt.

Für das Gericht ist erwiesen, dass der Beschuldigte mit seinem Sonnenrad das Feuer ausgelöst hat. Die beiden Brandermittler hätten seriöse Arbeit geleistet. Der eine sei sogar eine Kapazität auf diesem Gebiet. Es seien alle vorstellbaren Brandursachen geprüft worden. Dass der Telefonmast auf Kniehöhe gebrochen ist, erklären die Richter mit der Metallhalterung, die dort angebracht ist. Die sei beim Brand sehr heiss geworden. Deshalb seien an der Stelle die Brandspuren am heftigsten. Das beweise aber nicht, dass der Brandherd ebenfalls dort gewesen sei.

Offenbar habe der Beschuldigte die Brandgefahr erkannt, sonst hätte er nicht Sekt über den Feuerwerkskörper gegossen, sagt Richterin Sutter Heer bei der Begründung des Urteils. Gelöscht habe er jedoch mangelhaft. «Er hätte einen Gartenschlauch nehmen können und den Masten durchnässen.» Drei Deziliter Flüssigkeit sind definitiv zu wenig. Das Gericht sprach den Mann schuldig. Es sei aber nur ein leichtes Verschulden, eine Fahrlässigkeit. «Etwas, was vielen Leuten passieren kann.» Deshalb wird die Geldstrafe (30 Tagessätze zu je 80 Franken, bei zwei Jahren Probezeit) bedingt ausgesprochen. Dazu kommen eine Busse von 500 Franken, sowie Gerichts -und Verfahrenskosten von 3140 Franken.


Ida Sandl
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