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de23.07.2011 Neue Sprengverordnung: Weniger Feuerwerk in Erfurt erwartet

Nach dem neuen Landeserlass für die Sprengverordnung erwartet die Stadt einen Rückgang privater Feuerwerke.

Thomas Hutt (CDU) richtete eine Anfrage an den Oberbürgermeister, weil nachts um 3 Uhr in der Altstadt bei einer Jubiläumsfeier ein Höhenfeuerwerk abgebrannt wurde. Auch das Jahresfest eines Ladens und die karibischen Nächte am Wenigemarkt hätten wegen ihrer feurigen Einlagen nicht nur Beifall hervorgerufen. Dürfen private Veranstalter nachts Höhenfeuerwerke in der Altstadt abbrennen, fragt Thomas Hutt.

Nur per Ausnahmegenehmigung, antwortet OB Andreas Bausewein . Die vergebe der Thüringer Landesbetrieb für Arbeitsschutz und technischen Verbraucherschutz. Aber es werde keine Genehmigung für Feuerwerke nach 24 Uhr erteilt.

Den Lärmschutz regele das Bundes-Immissionsschutzgesetz. Und das Ende von Veranstaltungen werde grundsätzlich in den Genehmigungsbescheiden festgelegt. Wer böllern will, der muss also nicht nur die Nachbarn informieren, das Bürgeramt und das Umwelt- und Naturschutzamt. Er hat es seit 1. Juni 2011 auch schwerer als früher. An jenem Tag trat ein "Landeserlass zur Durchführung der Sprengverordnung" in Kraft.

Ausnahmegenehmigungen für Privatleute außerhalb des Jahreswechsels würden nur noch für herausgehobene, außergewöhnliche Anlässe erteilt. Er erwarte eine Reduzierung der Feuerwerke, sagt der OB.

"Feuerwerke sind ein eindrucksvolles Gestaltungsmittel. man sollte sie aber dosiert einsetzen", findet auch Hubertus Röder von der Kulturdirektion. "Sie haben etwas Theatralisches. " Röder schätzt die große Wirkung, die Feuerwerke beim Krämerbrückenfest und anderen großen Stadtfesten entfalten. "Der Einsatz ist aber immer auch eine Frage des Geldes."

Schon die Germanen verjagten mit Feuer und Krach böse Geister. Die alten Chinesen erfanden im 8. Jahrhundert eine explosive Mixtur aus Salpeter, Schwefel und Holzkohle, sie schossen sie als feurige Pfeile in den Himmel, um Feinden einzuheizen. Kriegerisch verwendeten auch andere Völker das Feuerwerk. Seefahrer brachten das Pulver mit nach Europa.

Im 14. Jahrhundert ist das erste Feuerwerk in Florenz überliefert, das der Erbauung diente zu Pfingsten ließ man eine riesige Taube Funken sprühen. Beim Adel krachte es besonders oft. 1770 ließ Ludwig XV. im Park von Versailles 20 000 Raketen zur Begrüßung seiner Schwiegertochter Marie Antoinette abbrennen, es war das größte Feuerwerk des Barock.

Manfred Weniger von der Suhler Firma Pyrotec zündet recht häufig in Erfurt Feuerwerke. "Das direkte Feedback des Publikums ist toll", sagt er. Was ist mit der Umweltbelastung? "Das betrifft den Feinstaub", räumt er ein. Aber angesichts der Finanzsituation von Städten und Gemeinden sei die Zahl der Feuerwerke überschaubar.

"Oft kann man auch mit kleinen Sachen begeistern." Der Platz sei wichtig für die Wirkung, der Petersberg biete eine gute Kulisse. Selbst wenn Auftraggeber Feuerwerke nur in einer einzigen Farbe wollten, sei das machbar. Manfred Weniger bestellt seine Feuerwerke gern im asiatischen Raum. Dort gebe es sehr gute (billige, Anm. d. Red.) Hersteller.

Für die Feuerwehr sind Feuerwerke kein großes Thema. "Wir sichern nur Höhenfeuerwerke mit einem Fahrzeug ab", sagt Kai Hellström, im Brandschutzamt für die Gefahrenabwehrplanung zuständig. "In Erfurt hat noch kein Feuerwerk einen Brand ausgelöst." Allerdings hätten Silvesterraketen manches Unheil angerichtet.


Birgit Kummer
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