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de09.09.2011 Feuerwerk-Ärger in Bad Boll

Bad Boll. Private Feuerwerke sind in Mode gekommen, immer wieder gibt es Ärger. Jetzt in Bad Boll: Ein Anwohner beschwert sich über ein Feuerwerk am alten Bahngelände. Der Schultes zeigt sich nachdenklich.

Mit einem Missklang endete ein Feuerwerk am alten Bahngelände in Bad Boll, das eine Hochzeitsgesellschaft vom benachbarten Gasthof veranstaltet hat. Ein Anwohner beschwerte sich nicht nur über nächtliche Ruhestörung: "Neben der Lärmbelastung sind auch zahlreiche Raketen in den Gärten der Anwohner und auf einem Gewächshausdach gelandet", schimpft er. Er verweist auf die Baustelle Bahnhofallee: Damit seien die Anwohner schon genug belastet.

Bürgermeister Hans-Rudi Bührle ist dem Fall nachgegangen und hat gleich drei mutmaßliche Verstöße eruiert. Das Feuerwerk sei zu spät abgebrannt worden, nach statt vor 22 Uhr, es sei eigenmächtig ans alte Bahngelände gelegt worden statt auf dem Grundstück des Gasthofs, und offenbar sei es "draufgängerisch und unprofessionell" abgebrannt worden. Wobei ihm von Schäden nichts bekannt sei, nur von Geschossrückständen auf Dächern. Bührle findet das ärgerlich.

In Zukunft müsse man genauer schauen, was man in der Ortsmitte genehmigen könne und was nicht. Und: "Wenn sich die Klagen häufen, müssen wir unsere Praxis überdenken." Für Bührle sind solche Klagen neu. Bisher seien Feuerwerke reibungslos abgelaufen, in diesem Jahr bisher sechs.

Die Erfahrungen in anderen Gemeinden zeigen: Probleme gibt es immer mal wieder, aber sie lassen sich in den Griff bekommen - notfalls mit Einschränkungen. In Rechberghausen dürfen Raketen nur noch im Außenbereich gezündet werden, und auch da nur an bestimmten Plätzen, wegen der Brandgefahr, erläutert Simon Römmich. Das werde überraschend wenig in Anspruch genommen, sagt er. Obwohl Rechberghausen mit seinem Trauservice rund um die Uhr viele Brautpaare anlockt, seien es keine zehn Feuerwerke im Jahr. Warum sie aus dem Ort verbannt sind - mit Ausnahme von Kleinstfeuerwerken: In Tübingen ist vor Jahren ein Haus wegen gelagerter Feuerwerkskörper abgebrannt. Daraufhin erging eine Empfehlung an die Gemeinden.

In Donzdorf haben sich die Feuerwerke verdoppelt, von früher fünf bis sechs auf 16 im vergangenen Jahr. Heuer sind es bisher schon 13. Etwa die Hälfte kommt von Hochzeitsgesellschaften im Ort. Beschwerden hat das Rathaus schon bekommen, aber Anzeige wurde nicht erstattet, betont der stellvertretende Ordnungsamtsleiter Werner Neufer. "Alles im Rahmen", sagt er. Zumal sich die Hälfte der Feuerwerke bis hinauf auf die Kuchalb verteilen.

In Zell gabs vor Jahren mal Wirbel, weil ein privates Feuerwerk unweit des Gemeindepflegehauses gezündet worden ist. Das sei unglücklich gelaufen, sagt Amtsleiterin Heike Wiedmann. Sie genehmigt Feuerwerke nur noch am Wochenende und an Plätzen, die abseits liegen - Richtung Sportplatz oder am neuen Gewerbegebiet. Anfragen bekommt sie fast jede Woche.

In der Nachbargemeinde Hattenhofen läuft das auch in ruhigen Bahnen. Es gab mal Regelungsbedarf, sagt Bürgermeister Jochen Reutter. Daraufhin hat der Gemeinderat eine Gebühr von zehn Euro festgesetzt.

Das ist günstig. In Ebersbach muss man das Fünffache berappen, 20 Euro Verwaltungsgebühr und 30 Euro für die Genehmigung. "Wir waren da immer schon restriktiv", teilt Amtsleiterin Jutta Schabel dazu mit. Und so gibt es dort gerade mal drei bis fünf Feuerwerke im Jahr, auch auf ausgesuchten Plätzen.

In Eislingen sind es unter zehn Feuerwerke im Jahr, schätzt Ordnungsamtsleiter Georg Huttner. Das sei ein bisschen ein Trend geworden. Man müsse die Voraussetzungen beachten, sonst nehme es überhand. Klagen von Nachbarn habe es trotzdem schon gegeben.


Jürgen Schäfer
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