Pyrotechnik ist kein Spielzeug

Stille Nacht

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de05.09.2011 Verärgert über nächtliche Knallerei

ORANIENBAUM-WÖRLITZ/MZ, Kreis Wittenberg.
Bezauberndes Erlebnis am dunklen Firmament oder lästiges Ärgernis, das die Nachtruhe stört? Das Abbrennen von Feuerwerken, vor allem in Wörlitz an den Wochenenden zum guten Ton gehörend, stößt nicht überall auf Beifall.

Ortsbürgermeister Horst Schröter (SPD) sprach von "etlichen Beschwerden", mit denen er wegen "der Knallerei" schon konfrontiert wurde. Wie also umgehen mit den Böllern und Raketen, die nicht lautlos in den Himmel steigen, der sich über den Erholungsort im Dessau-Wörlitzer Gartenreich spannt? In der Mehrzahl sind es Privatleute, die das Streichholz oder das Feuerzeug an die Lunte legen. Diese meinen nun offenbar, dass die bunten Effekte umso schöner leuchten je tiefer die Nacht ist. Ein Trugschluss, wie es im städtischen Bauausschuss hieß. So lange die Sommerzeit gelte - 2011 zwischen dem 27. März und 30. Oktober -, müsse ein Feuerwerk bis 22.30 Uhr abgebrannt sein. Außerhalb dieser Spanne soll nach 22 Uhr keine Rakete mehr starten. Gezündelt wird zum Teil erheblich später.

Eine Kontrolle, wer gegen die Vorgaben verstößt, ist schwierig. "Erhalten wir eine entsprechende Meldung und fahren los, ist das Feuerwerk abgebrannt, bevor wir an Ort und Stelle sind", meinte Karin Tschernich-Weiske, Leiterin der Geschäftsbereiche Haupt- und Ordnungsamt. Für Schröter eine unbefriedigende Situation.

Nachbarschaft erbost

"Es hat schon einen Haufen Theater deshalb gegeben. Es ist wirklich extrem, was da manchmal läuft. Den Leuten, die direkt in der Nachbarschaft wohnen, geht die Knallerei auf den Kranz." Dabei wähnte er vor allem die Hoteliers in der Bredouille. Einerseits gehöre es zu deren Infrastruktur, Feuerwerke anzubieten. Andererseits wären die auch schon mit der Forderung an ihn herangetreten, nicht vor 7.30 Uhr den Müll abfahren zu lassen. Die Gäste hätten ein Anrecht auf erholsamen Schlaf.

Keine neuen Vorschriften

"Wenn ich das so höre", fand Bürgermeister Uwe Zimmermann (Linke), "gelange ich eher auf den Trip, Feuerwerke gar nicht mehr zu genehmigen." Auf der anderen Seite könnte der Stadtrat über jedes Feuerwerk per Einzelbeschluss entscheiden. Aber da wäre er ebenfalls "nicht sicher, ob es so funktioniert". Dem stimmte Karin Tschernich-Weiske zu. Weil den Bürgern in der Regel zu spät einfalle, dass sie für zündende Illuminationen sorgen wollen, wären vermutlich Sondersitzungen fällig.

Doch eventuell könnte man ja dann das fällige Sitzungsgeld gleich als Genehmigungsgebühr veranschlagen und den Antragstellern in Rechnung stellen? Obgleich ironisch formuliert, passte Walter Bölke (Freie Wähler) die Richtung, in die sich die Debatte entwickelte, überhaupt nicht. "Es kann doch nicht unsere Aufgabe sein, neue Vorschriften aufzustellen. Die Leute müssen einfach nur die geltenden Zeiten einhalten. Wir sollten uns nicht von jedem ins Bockshorn jagen lassen", formulierte der Bürgermeister des Ortsteils Gohrau.

Dass nun - wie von Horst Schröter vermutet - die Wörlitzer Hoteliers wegen der Feuerwerkerei in der Zwickmühle stecken, ist aus deren Perspektive nicht der Fall. "Sollten Gäste ein Feuerwerk abbrennen wollen, bitten wir sie, selbst mit dem Ordnungsamt Kontakt aufzunehmen. Sollten sie die Genehmigung erhalten, ist die Aktion bis 22 Uhr durchzuführen. Ansonsten fällt sie unter Ruhe störenden Lärm", ist von Michael Pirl vom Ringhotel "Zum Stein" zu erfahren. Nicht anders verfährt Eckehardt Miertsch, Inhaber des Hotels "Landhaus Wörlitzer Hof".

Wenig genehmigt

Darüber hinaus schätzt er ein, dass die gefühlte Zahl höher ist als die tatsächliche. Die Stadtverwaltung bestätigt dies. Danach sind in Wörlitz (6), Oranienbaum (2), Vockerode (1), Kakau (2), Gohrau (1) und Horstdorf (1) 13 Feuerwerke genehmigt worden. Und zwar seit Jahresanfang.


Andreas Behling
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