Pyrotechnik ist kein Spielzeug

Stille Nacht

32 Vereine 3203 Unterschriften 2292 Vorfälle 582 Fortschritte

 

de09.09.2011 Musikalische Qualität statt Feuerwerk und Luftballons

KÖTHEN/MZ. Auf ein erlesenes Programm dürfen sich die Freunde barocker Musik beim 8. Köthener Herbst freuen, der vom 23. bis 25. September stattfindet. Organisiert wurde die Veranstaltungsreihe erneut vom Verein Freundes- und Förderkreis Bach-Gedenkstätte im Schloss Köthen.

"In unserer Arbeit folgen wir nicht dem Mainstream, wo Musik mit Events wie Feuerwerk und Luftballons garniert wird. Wir wollen qualitativ Hochwertiges anbieten", beschrieb Vereinsvorsitzender Hans-Joachim Schulze den hohen Anspruch des Köthener Herbstes. Dank der guten Beziehungen, die der stellvertretende Vereinsvorsitzende Andreas Glöckner habe, sei es wieder gelungen, zwei renommierte Barockensembles zu gewinnen, und das zu guten Honoraren, die letztlich auch "moderate Preise" für die Besucher nach sich ziehen.

"Vom Weimarer Hoforganisten zum Köthener Kapellmeister" - unter diesem Thema erklingen die diesjährigen Konzerte. Neben Werken von Johann Sebastian Bach stehen laut Hans-Joachim Schulze zwei norddeutsche Orgelmeister besonders im Fokus: Jan Adams Reinkens (1643-1722) und Georg Böhm (1661-1722). Mit beiden war Bach verbunden. Im Jahr 1720 reiste er nach Hamburg, wo er sich um das Organistenamt an der Kirche St. Jacobi bewarb. Dabei kam traf er auf den hoch betagten Jan Adams Reinken.

Dessen Orgelwerke hatte der junge Bach bereits im Unterricht bei Georg Böhm in Lüneburg kennen gelernt und studiert. Böhms Einfluss auf die musische Entwicklung des damals 15-Jährigen sei von wegweisender Bedeutung gewesen. "Das Programm des 8. Köthener Herbstes ist daher auch dem 350. Geburtstag des norddeutschen Orgelmeisters Georg Böhm gewidmet", sagte Hans-Joachim Schulze.

Musik von Reinkens, Böhm und Bach, ging Andreas Glöckner auf Details des Programms ein, erklingt zum Eröffnungskonzert am Freitag. Es findet in der Schlosskapelle statt. An der Zuberbier-Orgel spielt Franns W. Promnitz von Promnitzau (Leipzig). Ursprünglich, und so steht es auch im Flyer, der allerdings nicht mehr geändert werden konnte, sollte Hans Fagius (Schweden) spielen. "Er musste leider wegen einer Erkrankung absagen", erklärte Glöckner.

Der Kölner Kammerchor und das Ensemble Collegium Cartusianum werden am Sonnabend erwartet. Unter der Leitung von Peter Neumann (Leipzig) geben die Künstler in der Jakobskirche ein Kantatenkonzert von Bach.

Die musikalische Matinee am Sonntag in der Schlosskapelle wird von Christine Schornsheim gestaltet, die am Cembalo Stücke von Böhm und Bach spielt. Das Abschlusskonzert am Sonntagabend im Johann-Sebastian-Bach-Saal des Veranstaltungszentrums unter der Leitung von Hermann Max bestreitet das Ensemble "Das kleine Konzert" gemeinsam mit vier Solisten. Zum Auftakt erklingt Carl Friedrich Abels Sinfonie op.4. Von Bach wird unter anderem dessen viertes Brandenburgisches Konzert ertönen.

Die Konzerte in der Jakobskirche und im Bach-Saal werden vom MDR aufgezeichnet. Auch das erneute Interesse des Rundfunksenders wertete Hans-Joachim Schulze als ein Indiz dafür, dass der Köthener Herbst einen hohen Stellenwert im Musikleben einnimmt. Schulzes größter Wunsch besteht darin, dass es die in Köthen gastierenden Ensembles bei ihren Aufführungen nicht zu eilig haben. "Ich hoffe, dass die Werke nicht in einem Affentempo gespielt werden", bemerkte er unter Verweis auf bei verschiedenen Konzerten gemachte Erfahrungen. "Die Zunahme von Tempi bei der Aufführung klassischer Werke ist tatsächlich ein echtes Problem", ergänzte Andreas Glöckner.

Wie Gisela Berndt, geschäftsführendes Vorstandsmitglied, informierte, wird am Freitagabend in der Bach-Gedenkstätte eine kleine Ausstellung eröffnet, die Georg Böhm gewidmet ist. Sie verwies zudem auf den öffentlichen Vortrag am Sonnabend in der Schlosskapelle, der von Jean-Claude Zehnder gehalten wird. Der Organist, Cembalist und Musikwissenschaftler aus Basel spricht über Georg Böhm und das Thema "Die Orgelmusik unter dem Einfluss der Arie". Für Hörbeispiele nutzt Zehnder keine Tonträger, sondern spielt sie selbst an der Orgel.

Das Festival findet von 23. bis 25. September in Köthen statt. Karten können in der Köthen-Information im Schloss, Tel. 03496 / 21 62 17 bestellt werden.


Helmut Dawal
linklinklinklinklinklinklinklinklinklinklinklinklinklinklinklinklinklinklink