Pyrotechnik ist kein Spielzeug

Stille Nacht

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de20.09.2011 Gegen die Gewalt - aber wie?

Münster - Ein beliebiger Dienstag im September. Die Urteile gegen den SC Preußen Münster und den VfL Osnabrück sind gesprochen, der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes hat die Ausschreitungen vom 10. September geahndet.

Münster akzeptiert 25.000 Euro Strafe und den Ausschluss der eigenen Fans bei den kommenden Gastspielen der 3. Fußball-Liga in Wehen-Wiesbaden sowie Erfurt. Osnabrück wird 5500 Euro für „nicht ausreichenden Ordnungsdienst“ berappen müssen. Im hitzigen Aufeinandertreffen der beiden Nachbarn wurden rund 20 sogenannte Polen-Böller und Pyrotechnik-Objekte gezündet.

Bei der schwersten Explosion mit einem manipulierten Sprengkörper wurden 29 Polizisten und Sicherheitskräfte zum Teil schwer verletzt. Der 24 Jahre alte Täter, ein Student aus Münster, der Mitglied einer offiziell aufgelösten Ultra-Fangruppe ist, wurde festgenommen und ist geständig.

Münster und Osnabrück sind nicht die einzigen Fußball-Standorte, die an diesem Tag negativ auffallen. Anhänger vom Erstligisten Borussia Mönchengladbach haben bei einem Bundesligaspiel Rauchbomben und bengalische Fackeln gezündet, der DFB verlangt 6000 Euro vom Club.

Oder das: Ein Schiedsrichter wurde, nachdem er eine Rote Karte aussprach, vom Spieler ins Gesicht geschlagen. Der 51 Jahre alte Referee fiel um, zog sich ein Blutgerinnsel im Kopf zu und verschluckte seine Zunge. Das passierte in der Senioren-Landesliga, einem Aufeinandertreffen zwischen Medizin Friedrichshain und dem TSV Helgoland.

Einige Etagen höher bei Hansa Rostock: Sieben Spieltage hielt der Burgfriede zwischen Ultras und dem Club, bei der 1:4-Niederlage in Frankfurt war das alles wieder vorbei, Fehlverhalten auf den Rängen folgte Randale nach der Partie. „Sie sind einfach unbelehrbar trotz aller Versprechungen. Ich kann mich dafür nur entschuldigen“, fand Hansas Aufstiegscoach Peter Vollmann kaum Worte.

Und dieses hat eine besondere Note: Bei einem Drittligisten klopfte ein Immobilienfirma an, man wolle Sponsor werden im gehobenem VIP-Bereich. Der Mitarbeiter des Unternehmens, der den Kontakt zwischen Geschäftsführung des Maklers und dem Verein herstellte, wollte sein kleines Geheimnis nicht verbergen, denn er habe noch bundesweites Stadionverbot. Ob man das nicht aushebeln könne? Nein, geht nicht, hieß es. Schließlich war die mit Stadionverbot bedachte Person bei einer Keilerei nach einem Regionalliga-Spiel ertappt worden.

Gibt es keine normalen Spiele mehr? Ohne Randale? Ohne Ärger? Ohne Beschimpfungen? Ohne Hass?

Manchen reicht es einfach. In Stockholm wurde unlängst das Stadtderby gespielt. Knapp 25.000 sahen AIK gegen Djurgården (0:1) , sie waren zehn Minuten lang mucksmäuschenstill geblieben. Wie ein AIK-Sprecher bestätigte, wollten die Zuschauer mit der ungewöhnlichen Aktion im Råsundastadion gegen die nicht endende Hooligan-Gewalt sowie die pauschale Abstrafung von Zuschauern durch die Polizei protestieren.

Ein gutes Zeichen, genauso wie das von Preußen Münsters Kapitän Stefan Kühne und SCP-Fanprojekt-Chefin Tanja Eilers, die beide prompt nach den Vorfällen von Osnabrück beim nächsten Heimspiel gegen Aalen eine Ehrenerklärung für die Masse der gewaltfreien Fans abgaben. Oder das Signal der Spieler des VfL Osnabrück, die mit einem Transparent „Gegen Gewalt“ für Aufmerksamkeit sorgten.

Was das alles hilft? In Stockholm wurde die Partie wegen Bengalischer Feuer für sechs Minuten unterbrochen. Wahnsinn.


Alexander Heflik
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