Waldhäx

Beschützerin des Waldes und seiner Bewohner

 

Der Ökowald als Baustein einer Klimaschutzstrategie

Der Ökowald als Baustein Der Ökowald als Baustein

Potenzial des integrativen Prozessschutz-Waldbaus
Gutachten im Auftrag von Greenpeace e.V


Die Frage, inwieweit Kohlenstoff (C) innerhalb (Biomasse und Boden) oder außerhalb (Holz- produkte) des Ökosystems Wald gebunden werden sollte, und die damit einhergehende Frage der Intensität der Holznutzung wird kontrovers diskutiert. Dabei liegt es in der Natur der Sache, dass unterschiedliche Blickwinkel und Interessen zu unterschiedlichen Strategien führen.
Vor diesem Hintergrund wurden in der vorliegenden Studie die C-Vorräte und C-Flüsse von Wäldern, die nach dem integrativen Prozessschutz-Waldbau1 bewirtschaftet werden, anhand von Inventurdaten (nplots= 7170, nBäume= 91.599) quantifiziert und mit landes- und bundesweiten Durchschnittswerten verglichen.
Die Ergebnisse der Stadtforstämter Lübeck, Göttingen und Mölln zeigen, dass in naturnahen und altholzreichen Wäldern mit überdurchschnittlich hohen Holzvorräten sowie Naturschutz- und Sozialwerten nicht nur hochwertige Holzsortimente ökologisch und ökonomisch nach- haltig erzeugt, sondern auch hohe Mengen an Kohlenstoff langfristig gebunden werden können. Durch eine extensive, eingriffsminimierte Waldbewirtschaftung und den damit einhergehen- den starken Vorratsaufbau von Baumarten der natürlichen Waldgesellschaft konnten innerhalb von rund 10 Jahren sowohl die Naturnähe als auch die ökosystemare C-Speicherung2 und C-Senkenstärke3 der Wälder deutlich angehoben werden. Darüber hinaus haben auch die Anteile an starkem wertvollen Holz und damit die Dauer der C-Speicherung in Holzprodukten deut- lich zugenommen. Die bodenschonenden Holzernteverfahren und die geringe maschinelle Fre- quentierung des Waldbodens wirken sich positiv auf die Höhe der C-Speicherung bzw. den Schutz der C-Vorräte in der organischen Auflage aus. Infolgedessen sind Waldnutzungsstrategien, die sich am Vorbild der Wald-Natur orientieren, eine Option mit hoher und langfristiger positiver Klimawirksamkeit.
Die vorliegende Studie stellt auf Grundlage der ermittelten Ergebnisse und aktueller Literatur folgende Handlungsoptionen für einen langfristigen Klimaschutz zur Diskussion: (i) Erhöhung der Naturnähe durch Förderung der natürlichen Entwicklungsdynamik im Rahmen der forst- lichen Bewirtschaftung. (ii) Erhalt und Aufbau der Biomassevorräte durch Eingriffsminimie- rung. Als Zielvorräte für naturnahe ungleichaltrige Wirtschaftswälder werden 70 bis 80 % der durchschnittlichen regionalen Derbholzvorräte nicht-bewirtschafteter Wälder (Referenzflächen) vorgeschlagen. (iii) Klimafreundliche Holznutzung durch Wertholzerzeugung und effiziente Holzverwendung.
Eine „optimale“ Koinzidenz zwischen unterschiedlichen Zielen des Klima- und Naturschutzes lässt sich voraussichtlich nicht immer erreichen. Der integrative Prozessschutz-Waldbau bie- tet sowohl für den Schutz der Wald-Biodiversität als auch für den Klimaschutz Lösungsansätze, um ressourcenschonend und zukunftsverträglich Holz zu nutzen. Darüber hinaus kann eine verstärkte gesellschaftliche Debatte über eine Lebensweise, die sich stärker als bisher an Suffizienz und Energieeffizienz orientiert, einen wesentlichen und vor allem langfristigen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Nach Ansicht der Verfasser darf die langfristige ökologische Gesund- heit der Wälder nicht kurzzeitigen ökonomischen oder forstpolitischen Interessen geopfert werden. Ein Paradigmenwechsel ist wünschenswert und wahrscheinlich auch notwendig.