Waldhäx

Beschützerin des Waldes und seiner Bewohner

 

26.02.2014 Land geht „Natura 2000“ an

Nach EU-Rüge: Die ersten Projektergebnisse sollen in Vorarlberg im Herbst vorliegen.

Bregenz. (VN-ger) Die EU-Kommission hat im Vorjahr den Zeigefinger gegen den österreichischen Naturschutz erhoben: Die „Hüterin der Verträge“ ist der Ansicht, dass Österreich seinen Verpflichtungen zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wild lebenden Tiere und Pflanzen nicht nachgekommen ist. Im Mai 2013 wurde daher ein Vertragsverletzungsverfahren gegen die Republik wegen ihres unvollständigen Natura-2000-Netzwerks (Vogelschutzgebiete und Schutzgebiete nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie) eingeleitet.
Nachmeldebedarf ortet Brüssel auch bei zehn Arten und Lebensraumtypen in Vorarlberg (siehe Grafik). Schlucht- und Hangmischwälder sind davon ebenso betroffen wie Breitrandkäfer, Bergmähwiesen oder kalkhaltige Schutthalden.

natura2000-gebiete in vlbg.

EU macht Druck

Mittlerweile drängt die Zeit. Die Nachnominierungen müssen in zwei Etappen im September 2014 und im September 2015 erfolgen. Bei der Nichteinhaltung der Termine drohen Strafzahlungen in Millionenhöhe. Unter dem Druck der EU will auch Vorarlberg das Projekt „Natura 2000“ alsbald in Angriff nehmen. Naturschutz-Landesrat Erich Schwärzler schätzt, dass die ersten Ergebnisse im Herbst dieses Jahres vorliegen. Der Fahrplan jedenfalls scheint klar: Im Laufe des Jahres werden die Schutz­güter laut Schwärzler vor Ort erhoben und die unterschiedlichen Standorte nach Prioritäten bewertet. Neben den Fachabteilungen des Landes sollen in die Untersuchungen auch externe Büros ein­bezogen werden. „Danach werden wir mit den Gemeinden und Grundbesitzern verhandeln“, erläutert der Landesrat.

Hoher Ifen

Von den Experten unter die Lupe genommen wird auch der „Hohe Ifen“ im Kleinwalsertal. Im Mai 2012 hatten sämtliche Naturschutzorganisationen und die meisten Grundeigentümer auf EU-Ebene um dessen Nachnominierung als Natura-2000-Gebiet ersucht. Auf bayrischer Seite hat das Gebiet als Vogelschutzgebiet und Flora-Fauna-Habitat-Schutzgebiet die höchste Schutzkategorie, die es in der EU zu vergeben gibt. „Das Ifengebiet stellt in der Natur ein zusammenhängendes, einheitliches Gebiet dar und ist in beiden Staaten gleich schützenswert. Nur eine Nominierung auch des österreichischen Teils und damit ein Schutz über die Staatsgrenzen hinweg entspricht den Vorgaben des Natura-2000-Schutzsystems“, heißt es im Antrag. Von der Vorarlberger Naturschutzanwältin Katharina Lins seit Jahren gefordert wird auch die Erweiterung des Gebiets der Bregenzerachschlucht von Doren nach Egg. „Ich finde es gut, dass sie das jetzt machen, aber es hätte früher sein können“, kommentiert sie die aktuellen Untersuchungen.


Geraldine Reiner