Waldhäx

Beschützerin des Waldes und seiner Bewohner

 

18.10.2012 Europaschutzgebiet Klostertaler Bergwälder

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Forstbehörde sollte Naturschutz respektieren



Im Dalaaser Abschnitt des Schutzgebietes "Klostertaler Bergwälder", wo gefährdete Vogelarten wie Raufußkauz, Sperlingskauz, Grau- und Weißrückenspecht nachgewiesen sind, wurde im Herbst 2011 ein groß angelegtes Holznutzungsprojekt geplant. 3200 fm sollen in diesen altholzreichen Wäldern geschlagen und mittels Seilkran samt Biomasse abtransportiert werden. Der 2002 im Auftrag der Landesregierung eigens für dieses Natura 2000-Gebiet erstellte Waldfachplan sieht jedoch vor, dass in diesem für das ganze Ökosystem wichtigen Altholzbestand nur Einzelstammnutzung oder kleinflächige Femelschläge tolerierbar sind.

Nichtamtliche Natur- und Vogelschützer erfuhren erst 2012 über einen betroffenen Grundbesitzer von dem Forstprojekt. Sie äußerten im Frühjahr ihre Bedenken über die geplante rigorose Nutzungsform bei den zuständigen Vertretern von Bezirkshauptmannschaft und Landesregierung. Trotzdem bewilligte die BH Bludenz im Sommer – ohne die geforderte und gesetzlich vorgeschriebene Naturverträglichkeitsprüfung* - die erste von sieben Seilkranschneisen in den Abschnitt „Masonerwald“ zu schlagen.

Die aktuellen Bilder zeigen, dass durchwegs Starkholz geschlagen wurde, das schon durch die jährliche Holzlosnutzung ersichtlich reduziert ist. An die Forderung auf dem Plakat der Landesregierung „Respektiere deine Grenzen“ sollten sich beispielgebend auch die Landes- und Bezirksbehörden halten. Wie kann man sonst erwarten, dass sich der Normalbürger daran hält?

*Eine rechtliche Abklärung durch die Abteilung Natur- und Umweltschutz der Vorarlberger Landesregierung hat ergeben:

Pläne und Projekte, die ein Natura 2000-Gebiet erheblich beeinträchtigen, sind nach § 15 Abs. 1 NSchVO einer Naturverträglichkeitsprüfung zu unterziehen. In die Zuständigkeit des Bundes fallende Pläne sind aus dem Grund nach Abs. 3 leg. cit. ausgenommen, dass der Bundesgesetzgeber für die Umsetzung dieser EU-rechtlichen Bestimmung in die bundesrechtlichen Materiengesetze zu sorgen hat. Dass dies im Fall des Forstgesetzes bis dato nicht geschehen ist, entbindet die Vollzugsbehörden nicht von der Beachtung der EU-rechtlichen Vorgaben.